Ulrich Beck vergleicht Tschernobyl mit Fukushima

In der FAZ wird der Risikoforscher Ulrich Beck anlässlich des 25. Jahrestages von Tschernobyl interviewt.

Fukushima könnte nicht mehr wie Tschernobyl den Sozialisten die Schuld zugewiesen werden, da die japanischen Sicherheitsstandards den Deutschen gleichen. Fukushima würde die Herzen der Menschen berühren, weil es ein globaler medialer Livekrimi sei, der in jedem Wohnzimmer stattfände.

 

Die Bundesregierung habe einen enormen Vertrauensverlust erzeugt, als aus monetären Gründen ein Ausstieg aus dem Atomausstieg vollzogen wurde. Nun würde der neue Ausstieg – nach Fukushima – als konsensbildendes nationales Gemeinschaftsprojekt inszeniert.

 

Bei atomaren Katastrophen versagten die kognitiven Instrumente von Kausalität und Verantwortung. Wie bei einer Bankenkrise würden die Kosten eines GAUs auf den Steuerzahler abgewälzt. Damit wäre die Kernkraft eine staatssozialistische Industrie.

 

In Risikogesellschaften (so auch der Titel von Becks Buch, das kurz nach Tschernobyl erschienen ist) würden Unsicherheiten depolitisiert und Abwicklungsroutinen könnten moralische Sprengkräfte neutralisieren. Das hätte in Fukushima nicht mehr funktioniert, Hilfsmaßnahmen wirkten chaotisch und dieser Fortschrittsvertrag ausgehebelt.

 

Ulrich Beck wird zu seiner Rolle in der Ethikkommission Atomkraft befragt und stellt klar, dass keine ethischen Gebote mehr aufgestellt werden könnten. Es ginge nicht um demokratische Partizipation bei Entscheidungen. Zitat Beck: 

„Ein Großteil der neueren technischen Entwicklung bewegt sich jenseits der Versicherungsgrenze. Genetische Labors, atomare Forschungsinstitute oder auch neue Produkte aller Art sind einfach nicht privat versichert. Wenn sie aber keine private Versicherung haben, müssen sie zum öffentlichen Thema werden“ 

 

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