meine Impressionen von Google+

Hier meine Eindrücke nach einem intensiven gestrigen Abend auf Google+

Vorteile:

          Es ist Facebook verblüffend ähnlich vom Layout und Grundfunktionen, sehr gut programmiert.

–       Obwohl es sehr aufgeräumt und klinisch sauber wirkt (im Vergleich zu Myspace), fehlt mir nicht, wie Robert Basic betonte, das „Menschelnde“, es wirkt nicht blutleer. Es ist jedoch ein weiterer Versuch von Google, seinem Genom sozial-mediale Stärke zuzuführen und wird das nur nach eigenen Logiken und Mustern machen können. Es wird sich zeigen, inwiefern Kreativität, bemerkenswerte Irrationalitäten,  rhizomartige Verzweigungen und neue Formen möglich seien werden.

          Man darf nicht den Eindruck bekommen, dass es ein Facebook-Klon ist, denn mächtige Dienste sind verknüpft (Picassa, Youtube, GMail, Suche, Maps)

          Grundfunktionen überraschen erst einmal nicht, ich habe das meiste hier und da schon gesehen. Ausnahme: „Hangouts“, die Video-Gruppenchats. Ob sich diese Kommunikationsform durchsetzen wird, wird sich auch bei Facebook zeigen, wenn nächste Woche die Skype-Video-Integration vorgestellt wird

          Sicherheitseinstellung werden ganz explizit in die Hand des Users gelegt. Bei jedem Posting (Foto, Link, Text, Video) wähle ich aus, an welchen meiner Kreise („Circles“) ich posten möchte. Das Einrichten von Kreisen ist spielend leicht und macht Spass (Drag’n’Drop).

          Mobile App (auf Android getestet mit Foto-Upload und Kommentieren) funktioniert gut und erhöht die Attraktion des Netzwerkes.

          Der große Reiz liegt jedoch bei den Leuten im Netzwerk selbst: Die Kontakte bei Google+ sind nicht die Leute, die sich auf wer-kennt-wen, XING, Lokalisten etc rumtreiben. Es sind Geeks, Social Media Nerds, Early Adaptors und die üblichen Verdächtigen.

          Es folgen mir Leute, die mir auf Twitter nicht folgen und die ich nicht als Facebook-Kontakte habe wie zB der Google Vorstand. Hat auch seinen Reiz.

          Google+ fühlt sich an wie eine neue Kneipen mit Leuten, die man wirklich kennen lernen möchte und bereits viele Bekannte trifft.  Das ist die Hauptähnlichkeit mit Twitter, da ich auch dort Menschen folge, die mich nicht kenne, ich aber sie. Mario Sixtus spricht von asymmetrischer Kommunikation. Die Stärke von Twitter wird eingebracht, man kann jeden auf Google+ folgen und lesen und braucht keine Bestätigung wie bei Facebook. Die Stärke von Facebook mit Kommentarfunktionen, ansprechenden Auflösen von Links, Videos und Fotos findet man bei Plus.

         Google Wave und BUZZ fand ich auch ganz spannend, der Reiz hielt nur wenige Wochen an.  Bin noch nicht überzeugt, ob Google+ sich länger halten wird und sich in meine Gewohnheiten integrieren kann. Der Start war jedenfalls ein voller Erfolg und ich habe mich in der neuen Location gleich sehr wohl gefühlt. Ich nehme das Wort „Location“, weil es sich gleich ein Raumgefühl aufkam (es kamen Kommentare wie: „ich geh mal kurz rüber zu Facebook, bin gleich wieder da“).

          Keine Leute, die nur Infos nach außen rausblasen wollen, sondern bin vielmehr mit Menschen umgeben, die zuhören, diskutieren und sich unterhalten wollen. Von solch witzigen, hilfreichen, interessanten Kommentaren zu Postings, wie ich sie bisher gelesen haben, träumt XING bestimmt Nachts. Dort gleichen die Status Updates ja eher steifen Stehempfängen.

   

Nachteile:

– Threads mit neuesten Kommentaren werden immer nach oben gespült. Einen Scobleizer-Artikel mit hunderten Kommentaren sieht man also oft wieder (Google verspricht Fix dafür), nervt vor allem auf dem SmartPhone. Mute-Funktion ist jedoch vorhanden.

– Keine Kommunikation mit anderen APIs, ich kann nicht nach Twitter oder FB posten, ist also recht isoliert.

– noch keine API vorhanden, daher auch keine Integration in Clients wie Seesmic, Hootsuite oder Tweetdeck

– Geek Only (Ihr werdet Eure Familie wohl dort erstmal nicht finden). Kann auch Vorteil sein, ich vermute dennoch, dass Plus kein Medium der Masse wird.

– „like“ bzw „gefällt mir“ heisst bei  Google „+1“ mit dem Nachteil, dass die Timeline stark mit redundanten Content aufgefüllt wird. Twitter und Facebook erkennen,wenn Kontakte gleichen Inhalt mehrfach teilen und fassen zusammen.

– Es ist nicht sofort offensichtlich, dass Inhalte an weite Kreise weiter geteilt werden können, auch wenn ich sie mit einem engen Kreis teile (zB Kinderfotos). Siehe dazu T3N-Posting

 

 

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